Lilly Kertesz



"Von den Flammen verzehrt"
Erinnerungen einer ungarischen Jüdin


Von den 800 Jüdinnen aus Ungarn und Polen, die 1944 über Auschwitz nach Bremen und Stuhr-Obernheide deportiert wurden, überlebten nur wenige. Eine ist Lilly Kertesz, geb. Weisz, aus Eger. In Bergen-Belsen befreit, kekrte sie nach Ungarn zurück und wanderte 1957 nach Israel aus.

4.4.44 - Lilly Weisz und ihr Verlobter Gyuri hatten dieses Datum für ihre Hochzeit gewählt, doch ihre Verlobung fand am 19. März 1944 durch den Einmarsch der Deutschen Wehrmacht in Ungarn ein abruptes Ende. "Ich war zwanzig Jahre alt und verlobt, eine verliebte und fröhliche Braut. Um uns herum war die Welt in Aufruhr, Europa verblutete, aber mein Glück machte mich blind und taub. Damals war ein Teil des europäischen Judentums bereits schrecklichen Verfolgungen ausgesetzt. Wohin der deutsche Marschstiefel auch trat, schlug die letzte Stunde der Juden. Immer wieder hörten wir: Die Juden werden deportiert und erschossen, die Säuglinge an den Beinen gepackt und an die Wand geklatscht, die Mädchen an die Front gebracht - zum Vergnügen der Soldaten. Das Grauen schien uns jedoch so fern, als würden uns einige Erdteile von ihm trennen. Wir bedauerten das Schicksal unserer jüdischen Geschwister, aber wir glaubten keinen Augenblick daran, daß es auch uns treffen könnte." Doch Adolf Eichmann bereitete sofort die "Endlösung der Judenfrage" in Ungarn vor. Lilly Weisz wurde ins Ghetto gesperrt und nach Auschwitz verschleppt. Im Sommer 1944 deportierte die SS sie zusammen mit 800 Jüdinnen aus Ungarn und Polen zu Zwangsarbeiten nach Bremen und Obernheide, einem Außenlager des KZ Neuengamme. Kurz vor Kriegsende brachte man die Frauen in das KZ Bergen-Belsen. Nach der Befreiung und einer schweren Typhuserkrankung kehrte Lilly als "Displaced Person" nach Ungarn zurück. Ihr Elternhaus war zerstört, ihre Familie in Auschwitz vergast und ihr Verlobter im jüdischen Arbeitsdienst der Honvédseg verhungert. Auf sich gestellt, wanderte sie 1957 nach Israel aus.
Erst 1994 veröffentlichte die Journalistin Lilly Kertesz ihre Erinnerungen in Tel Aviv und ein Jahr später in Budapest. Lebendig und fesselnd beschreibt sie in ihrem Buch "Von den Flammen verzehrt" ihre Deportation und Heimkehr.

Lilly Kertesz : Von den Flammen verzehrt: Erinnerungen einer ungarischen Jüdin. Mit einer Dokumentation von Schülerinnen und Schülern der Kooperativen Gesamtschule Stuhr-Brinkum. Herausgegeben von Ilse Henneberg - Donat Verlag Bremen 1999. 266 Seiten mit Fotos, Landkarten und Dokumenten, ISBN 3-931737-73-X, 9,80 Euro

    Von den Flammen verzehrt

Von den Flammen verzehrt








Projektkurs Spurensuche
- Ilse Henneberg -

Kooperative Gesamtschule (KGS) Stuhr-Brinkum
Brunnenweg 2, 28816 Stuhr
Telefon: 0421-809690    Fax: 0421-80969114
e-mail: il.henneberg@t-online.de