Projektkurs Spurensuche


Erinnern für die Zukunft

Projektarbeit der KGS Stuhr-Brinkum zum Holocaust

Die Arbeit des Projektkurses "Spurensuche" ist sehr vielfältig:

  • Begegnung mit Überlebenden der Konzentrationslager, die heute in Deutschland, Ost- und Westeuropa, den USA, in Brasilien sowie Israel
  • Historische Spurensuche in der Region und in Europa
  • Kooperation mit KZ-Gedenkstätten und Archiven
  • Begegnungen von west- und ostdeutschen, ungarischen und tschechischen SchülerInnen
  • Ausstellungen - Bücher - Theater - szenische Lesungen - CD-Roms
  • Interdisziplinärer Projektunterricht
  • Fächerübergreifender und fachverbindender Unterricht in Religion, Geschichte, Deutsch, Kunst, Englisch, Französisch, Multimedia
  • Veranstaltungen in Schulen, Museen, Rathäusern, Gedenktstätten u.a.



Ziele

  • Wachhalten der Erinnerung an die NS-Verbrechen und des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus als Voraussetzung für eine völkerverbindende und friedvolle Zukunft
  • Dialog mit Überlebendes des nationalsozialistischen Terrors
  • Förderung von Toleranz und Völkerverständigung
  • Aktives Eintreten für die Verwirklichung der Menschenrechte
  • Entschiedenes Ablehnen von radikalen und fundamentalistischen Tendenzen und Ausländerfeindlichkeit
  • Förderung von kommunikativer und kreativer Kompetenz, Kooperation und Teamwork, Selbständigkeit, Engagement und Empathie
  • Einführung in wissenschaftliche Arbeitstechniken, Archivarbeit, Textproduktion und Öffentlichkeitsarbeit

Meine Erfahrungen im Umgang mit dem Thema „Holocaust“ im Unterricht:

„Die Problematik der Judenverfolgung ist durch die dauernde Wiederholung oft zu einem Ärgernis für SchülerInnen und Lehrkräfte gleichermaßen geworden. Ausgehend von Einzelschicksalen, insbesondere aus dem regionalen Bereich, werden diese historischen Ereignisse jedoch wieder interessant und lebendig sowie in ihrer aktuellen Bedeutung erkannt. Selbständige Recherchen der Jugendlichen über die Geschichte eines Verfolgten verknüpfen das individuelle Schicksal durch Zahlen, Daten und Ereignisse wieder mit dem gemeinsamen Schicksal aller Opfer des Nationalsozialismus. Das Bemühen um präzise Zahlenangaben sowie historische Konkretion und Genauigkeit wirkt dem Prozess der Derealisierung und der negativen Mythologisierung entgegen, wie er zunehmend unter Jugendlichen zu beobachten ist. Oft wird "Auschwitz" als Synonym für das Böse schlechthin begriffen, oder dieser Begriff ist vielen sogar unbekannt, wie manche Umfrage belege. Bei der Aufarbeitung der Regionalgeschichte während des Nationalsozialismus gibt es für Schulen vielfältige Möglichkeiten, auch im Sinne des Konzepts der Community Education, mit ihrer Gemeinde oder Stadt zu kooperieren und ihre Ergebnisse in Form von Zeitungsartikeln, Broschüren oder Ausstellungen der Öffentlichkeit zu präsentieren. Eine langfristig angelegte regionale Forschungsarbeit, möglichst in Zusammenarbeit mit den örtlichen Archivaren oder Heimathistorikern, verfeinert im Laufe der Jahre das Bild dieser Vergangenheit.
Der Projektkurs "Spurensuche" ist dem Fachbereich "Religion/ Werte und Normen" zugeordnet. Nach geschichtstheologischem Denken im Judentum ist jeder, der Kenntnis von einem Verbrechen hat, verpflichtet, davon Zeugnis abzulegen. Durch Massengräber, Relikte des Mordens in den Gedenkstätten, Augenzeugenberichten, Dokumenten, Fotos u.a. werden die Authentizität dieses Verbrechens vielfältig belegt, so dass heute jeder zum Zeugen wird. Damit ist er nach jüdischer Auffassung verpflichtet, dieses Zeugnis zu tradieren und weitergehend Zeugnis gegen jede Form von Unmenschlichkeit abzulegen. Ein Vergessen der Opfer käme sonst einem Gedächtnismord gleich. Durch die inhaltliche Auseinandersetzung und aktive Aneignung der NS-Geschichte können Jugendliche eigene Formen der Empathie entwickeln, die aktives Erinnern und Gedenken ermöglichen. Entscheidend dabei ist die Aufhebung der Anonymität der Opfer, die Entdeckung des Menschen hinter den Statistiken, den Nummern. Der christliche Religionsunterricht, unabhängig von der Konfession, darf sich aber nicht durch eine vorschnelle Identifizierung mit den Opfern der Frage nach Schuld und Verantwortung entziehen. Die Schuld der Täter und der Umgang mit dieser Schuld bis heute müssen immer wieder neu problematisiert werden. Dazu gehört die Auseinandersetzung mit dem christlichen Antisemitismus und dem Verhalten der Kirchen/christlichen Bevölkerung gegenüber der Judenverfolgung.
Die Konfrontation mit der Shoah führt bei den Jugendlichen auch zu einer Konfrontation mit sich selbst, die die Frage nach der eigenen und der deutschen Identität einschließt.

Die Arbeit des Projektkurs "Spurensuche" der KGS Stuhr-Brinkum ist seit 1994 mit weit über 20 Landes- und Bundespreisen sowie internationalen Auszeichnungen über die Landesgrenzen hinaus bekannt geworden und repräsentiert niedersächsische Schul- und Erinnerungsarbeit weltweit.“

Ilse Zelle, Religionslehrerin an der KGS Stuhr-Brinkum



Zurück




Projektkurs Spurensuche
- Ilse Zelle -

Kooperative Gesamtschule (KGS) Stuhr-Brinkum
Brunnenweg 2, 28816 Stuhr
Telefon: 0421-809690    Fax: 0421-80969114
e-mail: i.zelle@t-online.de