»Vollwaise


„Mein lieber Junge, zeige aber der Welt immer ein lachendes Gesicht!“

Ein Jahr später, am 6.Dezember 1942, verlor Otto nach der Ermordung seines Vaters in Minsk auch seine Mutter Johanne.

Sie starb in einer Bremer Klinik. Vom Stress ihrer Inhaftierung erneut erkrankt, erholte sie sich nicht mehr. Als man sie kurz vor ihrem Tod in das Krankenhaus St. Magnus einlieferte, schrieb sie, ihr Ende erahnend, ihrem Sohn folgenden Abschiedsbrief:

„Mein über alles geliebter Junge!

Es ist Mitternacht, und ich kann wie schon so oft nicht schlafen, und da will ich dir das sagen, was ich dir mündlich nicht sagen kann.
Lieber Otto, wenn du eines Tages keine Mutti mehr hast, dann sollst du nicht traurig sein. Ich weiß, mein Junge, dass dir im Leben noch schwere Stunden bevorstehen, und gerne würde ich es dir leichter machen, aber sei stark, und verliere niemals deinen Mut. Gott hilft allen Menschen, und er wird auch dir helfen.
Wenn ich manchmal etwas hart mit dir war, dann kannst du mir glauben, dass es mir oft selbst sehr weh tat. Du weißt doch, dass ich krank bin und eigentlich gar nicht mit dir in Berührung kommen darf. Wie gerne möchte ich dich lieb haben so wie andere Mütter ihre Kinder auch. Glaub mir, dass ich mich oft umdrehen musste, damit du meine Tränen nicht sehen solltest.
Mein lieber Junge, zeige aber der Welt immer ein lachendes Gesicht, du wirst es dadurch im Leben leichter haben. Gott möge aus dir einen tüchtigen und gesunden Menschen machen, das ist mein einziger und letzter Wunsch. Leb wohl mein Junge!

Deine Mutti.“

Am 2. Mai 1949 stellte der Kreissonderhilfsausschuss des Landkreises Grafschaft Hoya fest: „Die Mutter des Kindes O.P. verstarb am 6.12.1942 an den Verfolgungs- und Unterdrückungsmaßnahmen.“

Todesanzeige von Johanne Polak
Quelle: Archiv Hermann Greve, Kirchweyhe

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