»Ottos Leben heute


"Ich bin immer meinen Weg gegangen"

„Die Wunden sind verheilt, die Narben sind geblieben und schmerzen noch manchmal. Aber der Herrgott hat mich zu einem gesunden Menschen werden lassen und dafür bin ich jeden Tag dankbar.“

Otto Polak, Rede am 27. Jan. 2010 im Rathaus Bremen

Umzug nach Bremen

Mit 32 Jahren siedelte er nach Bremen über, und seither zieht es ihn nur selten nach Kirchweyhe zurück: „Es kämen zu viele Erinnerungen auf, die die Gefühle von damals aufleben lassen würden, und das möchte ich nicht, denn durch meine Vergangenheit ist mein Leben sehr geprägt. Trotzdem bin ich immer meinen eigenen Weg gegangen.“
Heute hat er den Dialog wieder aufgenommen, insbesondere die Freundschaften zu Hermann Greve und Gabriele Ullrich und seine Schulbesuche in Kirchweyhe sind ihm dabei wichtig.
Am 21.Mai 1965 heirateten Otto und Anna Tabbert, die aus Rockenhausen stammt. Am 17.März 1972 kam ihr Sohn Martin zur Welt. Heute lebt das Paar in Bremen.
Als pensionierter Gärtner hat Otto seine Leidenschaft für Pflanzen und Blumen bewahrt. Er pflegt mit großem Einsatz die Rosenbeete vor seinem Haus, was jedem Besucher sofort ins Auge fällt. Rosen in Ottos Vorgarten

Sport - seine große Leidenschaft

Eine besondere Hilfe bei der Verarbeitung der Vergangenheit ist für Otto zugleich seine größte Leidenschaft – der Sport. Er probierte schon in jungen Jahren einige Sportarten aus,wie zum Beispiel Fußball und Judo. Auch in der Leichtathletik versuchte er sich, doch sein Lieblingssport ist Badminton, das er bis heute spielt. Bis 2010 war er ein engagierter Trainer, seit achtzehn Jahren Jugendwart und seit zehn Jahren Abteilungsleiter. Außerdem hat er vor einiger Zeit die Lizenz für die Abnahme zum Sportabzeichen erhalten und selbst schon 29-mal das Sportabzeichen gemacht.
Der Sport, meint Otto, helfe ihm, die schrecklichen Erlebnisse seiner Kindheit vielleicht
besser zu ertragen.

Rückblick

Schule in der Kohlhökerstraße
Otto Polak am Grab seines Großvaters Otto Jacobsohn, 2009
Otto kann und will nicht vergessen. „Die ersten zwölf Jahre meines Lebens waren sehr bedrückend und schlimm für mich. Nach 1945 hat man nicht viel über die NS-Zeit geredet und geschrieben. Später, als meine Großmutter im Dezember 1964 starb,wurde mir auch bewusst, dass ich ganz alleine war. So viele Polaks wurden im KZ ermordet! Die Vorstellung ist so schrecklich, und ich denke noch jeden Tag daran!“
Insgesamt sind sechzehn Angehörige der Familie Polak deportiert und die Hälfte von ihnen umgebracht worden; die anderen acht gelten als vermisst in Minsk oder in Auschwitz. Karl Polak, ein entfernter Verwandter von Otto, überlebte und beschrieb seinen Leidensweg vom KZ Sachsenhausen zur Kohlengrube Jawichowitz bei Auschwitz, den Transport ins KZ Buchenwald und von dort ins Lager Tröglitz in Sachsen.
Otto musste viele schlimme Erfahrungen machen, bevor er sein Leben wirklich genießen konnte. Er fand, damals wie heute, großen Halt in dem Glauben an Gott und ist dankbar, dass er nun ein so gesunder Mensch ist und auch mit seinen 77 Jahren noch agil ist und sportlich aktiv sein kann:
„Ich glaube, es ist ein bisschen der Ausgleich zu damals. Gott wollte damals nicht, dass ich schon gehe und hat mir nun ein gesundes Leben geschenkt, für das ich ihm jeden Tag danke.“



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