Obernheide


"Mahnmal für das ehemalige Arbeitslager"

Die Frauen von Obernheide



Im Lager Obernheide in der Gemeinde Hasbergen (heute Stuhr) bringt zunächst die Organisation Todt Arbeiter für den Weiterbau der Reichsautobahn unter. Ende 1940 übernimmt die Stadt Bremen die Unterkunft. Am Abend des 26. September 1944 kommen die Frauen im Lager Obernheide an. Seit Monaten steht es leer und ist für die Aufnahme der 800 Frauen vorbereitet.

Obernheide Obernheide

Das Lager ist auf einem Wiesengelände erbaut und grenzt an eine kleine Straße, die von Pappelreihen, Weiden und Bauernhäusern umrahmt ist. Das Areal ist ca. 150 m lang, 70 m breit und von Stacheldraht umzäunt. Hinter dem Eingangsbereich mit den  SS-Baracken und der Küche befindet sich der Appellplatz,  umgeben von zwei

Baracken von Obernheide Baracken von Obernheide

Häftlingsbaracken und einer Wirtschaftsbaracke mit dem Krankenrevier, dem Waschraum und der Latrine. Ein Stacheldrahtzaun teilt beide Lagerbereiche. Die Holzbaracken sind 42,5 x 12,5 m groß. In die eine presst man die 500 Ungarinnen, in die andere die 300 Polinnen. Innen sind die Notunterkünfte in kleine Zimmer unterteilt, in denen schmale, dreistöckige Betten stehen.

Jede Frau hat weniger als einen Quadratmeter Platz zur Verfügung. Durch die bedrückende Enge ist es in den kaum beheizten Räumen nachts wenigstens etwas warm.

Die Frauen werden um vier Uhr morgens geweckt. Sie verlassen das Lager im Dunkeln und kehren im Dunkeln zurück. In langen Reihen marschieren sie an Häusern und Höfen vorbei zum Bahnhof Stuhr. Seit Anfang Oktober 1944 fahren die Frauen mit der Thedinghauser Kleinbahn von Stuhr in die Bremer Neustadt. Dort angekommen, gehen die Frauen entweder zu Fuß oder werden in offenen Lastwagen zu ihren Einsatzorten transportiert.

Baracken von Obernheide
Baracken von Obernheide

Am Abend schleppen sie sich in das drei Kilometer entfernte Lager. Ab dem 13. Dezember 1944 stehen für den Transport der Frauen nach Bremen keine Züge mehr zur Verfügung, der Bremer Bahnhof und die Gleisanlagen sind infolge von Fliegerangriffen zerstört. Die Frauen müssen nun noch früher aufstehen, um die 16 Kilometer lange Strecke nach Bremen zu marschieren. Abends haben sie nun neben dem arbeitsreichen Tag noch einen Fußmarsch von 32 Kilometern hinter sich.

Gedenkfeier 1999 mit Lilly Kertesz

Gedenkfeier mit Lilly Kertesz und ihrer Tochter, 1999.

Auf dem Appellplatz teilt man die Frauen in verschiedene Kommandos ein. Die Kommandos tragen den Namen der jeweiligen Baufirma, zu der die Häftlinge zum Arbeiten gebracht werden, zum Beispiel Bödeker oder Focke-Wulf. Dort verrichten sie Erdarbeiten oder rollen Draht auf. Ab dem 16. Oktober 1944 werden die Frauen auch in Uesen zum Planieren und beim Bau von 100 Behelfsheimen eingesetzt. Sie füllen Loren mit Sand, die sie zur Baustelle schieben.

Infolge der Luftangriffe sowie der witterungsbedingten Ausfälle im Winter muss der Arbeitseinsatz der Häftlinge auf acht Stunden täglich verkürzt werden. Dadurch sinken die Einnahmen. Zudem beschweren sich einige Bauunternehmer über die mangelnden Arbeitsleistungen der Frauen, da auch kranke Frauen zur Arbeit geschickt werden. Diese können die ohnehin geringeren Arbeitsleistungen der Häftlinge nicht erfüllen. Um im Rahmen des totalen Krieges alles Produktionshemmende zu vermeiden, setzten Lagerkommandant Hille und die SS-Oberaufseherin Gertrud Heise die Kranken zu anderen Arbeiten ein.

Lagerführer Hille Lagerführer Hille

Durch Sparmaßnahmen ab März 1945 seitens des Bremer Bausenators wird die Verpflegung der Häftlinge mit weniger Geld kalkuliert. Dies bedeutet quälenden Hunger für die Frauen, aber auch Krankheit und Tod. So suchen die Frauen heimlich in den Trümmern nach Lebensmitteln und anderen Dingen, die sie gegen Nahrung eintauschen. Werden sie erwischt, drohen drastische Strafen.

Als am 4. April 1945 die englischen Truppen an der Ems stehen, sollen alle Häftlinge, Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen in Hauptsammellager gebracht werden. Kein Häftling soll den Feinden in die Hände fallen, von der Schußwaffe ist rücksichtslos Gebrauch zu machen. Für das Außenlager Obernheide ist Verden vorgesehen. Mit einem bewaffneten SS-Kommando verlassen die Frauen am frühen Morgen auf Lastwagen das Lager. Jede enthält ein Stück  Brot.  Beim  Einmarsch englischer

Mahnmal Obernheide heute
Mahnmal Obernheide heute

Truppen in Obernheide wird das Lager in Brand geschossen. Die Frauen werden in Waggons gepfercht und nach Bergen-Belsen gebracht.

Heute ist nur noch ein Mahnmal in Obernheide zu sehen, das an die schlimme Zeit für die Häftlinge erinnern soll. Im Sommer 1999 besucht Lilly Kertesz mit ihrer Tochter zum zweiten Mal diesen Ort und nimmt gemeinsam mit Schülern aus Györ in Ungarn und den Schülern des Projektkurses Spurensucht an einer Gedenkfeier teil.

Lilly Kertesz mit Tochter beim Mahnmal Obernheide 1999
Lilly Kertesz mit ihrer Tochter
beim Mahnmal Obernheide 1999
Frauen von Obernheide online
Frauen von Obernheide




Projektkurs Spurensuche
- Ilse Zelle -

- Angela Kütemeier -

Kooperative Gesamtschule (KGS) Stuhr-Brinkum
Brunnenweg 2, 28816 Stuhr
Telefon: 0421-809690    Fax: 0421-80969114
e-mail:
angela.kuetemeier@web.de